Klimaklage

Ein Urteil, das Hoffnung macht

Porträtfoto von Christoph Hoppe

Referent für das Klimaprojekt

Christoph Hoppe

Kläger Saúl Luciano Lliuya beim Gletschersee Palcacocha, der aufgrund der Gletscherschmelze im Zuge des Klimawandels größer wird und Lliuyas Heimatstadt Huaraz zu überschwemmen droht.

Vor fast zehn Jahren begann der peruanische Landwirt Saúl Luciano Lliuya einen Rechtsstreit mit dem Energiekonzern RWE – dem europaweit größten CO2-Einzelemittenten. Die Klage: RWE war zum damaligen Zeitpunkt mit einem Anteil von knapp 0,5 Prozent der menschgemachten Emissionen seit Beginn der Industrialisierung maßgeblich für den Klimawandel mitverantwortlich.

Lliuya lebt in der Andenstadt Huaraz, die zunehmend von Überschwemmungen bedroht ist, ausgelöst durch abschmelzende Gletscher in Folge des Klimawandels. Daher forderte er, dass sich RWE mit einem entsprechenden Anteil an den Klimaschutzmaßnahmen, konkret dem Bau eines Damms, beteiligen solle. Die Kosten dafür würden sich für den Milliardenkonzern RWE auf rund 13.000 Euro belaufen.

Dieser ungleiche Kampf “David gegen Goliath” endete im Mai mit dem finalen Urteilsspruch des Oberlandesgerichts Hamm: Die Klage wurde abgewiesen. Was zunächst wie eine Niederlage für den Klimaschutz und für Lliuya aussieht, umfasst jedoch ein bahnbrechendes Grundsatzurteil. Ein Präzedenzfall für viele weitere Klimaklagen. Ein Sieg für die Gerechtigkeit. 

Erstmals in der Geschichte legt ein hohes europäisches Gericht fest, dass große Emittenten zivilrechtlich für die konkreten Folgen der Klimakrise haftbar gemacht werden können. Das bedeutet, dass Menschen, deren Lebensgrundlagen durch den Klimawandel bedroht sind, Zugang zu Entschädigung und Rechtsschutz bekommen – auch über nationale Grenzen hinweg. Große Emittenten können somit nicht mehr ungestraft ihre Gewinne privatisieren, während die Schäden auf alle umgelegt werden. Sie müssen ihre Rolle in der Klimakrise anerkennen und Verantwortung übernehmen – nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret, etwa durch Schadensersatz oder Investitionen in Schutzmaßnahmen. 

Auch wenn es im Fall von Saúl Luciano Lliuya nicht weitergeht, hat seine Klage Wichtiges erreicht. Es wird Klimaklagen gegen fossile Unternehmen und damit der Abkehr von fossilen Brennstoffen weltweit Rückenwind geben. Er ist ein Weckruf für mehr Verbindlichkeit im Klimaschutz, für globale Gerechtigkeit und für den Mut, Verantwortung einzufordern – notfalls vor Gericht. 

christoph.hoppe@kolping.de

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2 Kommentare

  • Erika Lindner
    am 10.11.2025
    Ich kann dem Kommentar nur zustimmen!!
    Jeder ist zuständig für den Klimaschutz und muss seinen Beitrag leisten. Große reiche Unternehmen und jeder einzelne Mensch. Je nach den Möglichkeiten, die gegeben sind.

    Die andere, gleich wichtige Aufgabe ist die Wiederherstellung des Friedens.
    Die Kolpingverbände in ganz Europa sollten die Menschen aufrütteln, wieder in Massen aus den Kirchen hinaus auf die Straßen zu gehen und im friedlichen Protest - wie 1989 - den Friedenswillen zu bekunden !!

    Klima und Frieden sind untrennbar verbunden !!
  • Alfons Loeb
    am 15.11.2025
    Jeder, jede CEO sollte bei der Entscheidung : was macht das mit unseren Umsätzen, auch überlegen: was macht das mit dem Klima
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