Politische Diskurse müssen geführt werden – aber ohne Polarisierung

Demokratie lebt vom respektvollen Streit – und von Formaten, in denen Vielfalt konstruktiv zusammenkommt.

Porträtfoto von Marcel Gabriel-Simon

Referent für Familie und Senioren

Marcel Gabriel-Simon

Es gibt sie – die politischen Triggerpunkte, die quer durch die Gesellschaft gehen. Die “Aufreger”, die in Fernseh-Talkshows, an Stammtischen sowie in Familien- und Freundeskreisen diskutiert werden und über die Gazetten jeglicher politischer Ausrichtung schreiben. Häufig geht es um die ganz großen gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel, soziale Sicherheit oder Zuwanderung. So ziemlich jede und jeder sieht sich zumindest bei einem dieser Themen als “Expert*in”.

Dieser Diskurs – ebenso wie das Ringen um vermeintlich “gute Ideen” und Lösungen für gesellschaftliche Problemlagen – ist wichtig. Genauso wichtig ist es jedoch, Formate zu entwickeln, an denen viele Menschen beteiligt sind und sich ernst genommen fühlen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Entscheidungen ausschließlich in geschlossenen gesellschaftlichen oder politischen Zirkeln getroffen werden. Zugleich gilt es anzuerkennen, dass es – ob in Verbänden, kirchlichen Gremien oder auf allen politischen Entscheidungsebenen – gewählte und entsandte Vertreter*innen gibt.

Politiker*in darf kein Schimpfwort sein, und ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft sollte nicht als sozialromantisch belächelt werden.

Wenn ich auf vielen dieser Ebenen die Art der Diskussionen erlebe – ob als “Zaungast” oder als Beteiligter – wird mir deutlich, dass das Schwarz-Weiß-Denken zunimmt. Die eigene ideologische Blase wird als das Nonplusultra angesehen, und Haltung sowie Ideologie werden zuweilen gleichgesetzt.

Doch bringt uns Polarisierung und populistische Vereinfachung wirklich weiter? Ich glaube nicht. Vielmehr müssen wir wieder lernen, zu differenzieren, zu analysieren und zuzuhören – ohne sofort zu bewerten.

Klar ist: Gegen extremistische und menschenfeindliche Äußerungen gilt es, die Stimme zu erheben – das sollte Konsens sein. Darüber hinaus aber gilt es, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ohne den eigenen Vorteil oder die eigene Blase zu sehr in den Vordergrund zu stellen.

Ich glaube, wir als Verband sind hier an vielen Stellen Vorbild, weil wir es auf unseren Konferenzen schaffen, trotz aller Unterschiedlichkeit sachlich, fair und mit gegenseitiger Achtung zu diskutieren.

Auch an dieser Stelle ist KOLPING ein gelungenes Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit.

marcel.gabriel-simon@kolping.de

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