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Dietmar Weidenbörner hielt einen Vortrag zur Situation der Hünfelder Kolpingsfamilie in den Jahren 1933 bis 1940. Im gut besuchten Kolpinghaus blickte Weidenbörner auf den Zeitraum der Schreckensherrschaft des sogenannten „Dritten Reiches“ zurück, das in Hünfeld konkrete Ziele mit Blick auf die Kolpingsfamilie verfolgte: Die „Zerstörung der starken religiösen und sittlichen Bindung der Mitglieder, damit verbunden eine Eliminierung dieses wichtigen Widerstandskreises und die Besitznahme des Gesellenhauses (des Kolpinghauses)“.
Weidenbörner bezog sich bei seinen Ausführungen auf die geheimen Protokollbücher des damaligen Vorsitzenden Joseph Habersack. Diese zeitgeschichtlichen Dokumente führte Habersack parallel zu den offiziellen Büchern, die er der NSDAP-Kreisleitung vorlegen musste. Dort wurde u. a. auch entschieden, ein „national zuverlässiges NS-Parteimitglied in den Vorstand der Kolpingsfamilie einzuführen“. Warum dies letztendlich nicht umgesetzt wurde, darüber könne man nur spekulieren, so Weidenbörner. Die Liste aller weiteren Schikanen gegenüber der Kolpingsfamilie ist lang: Handwerker durften im Kolpinghaus keine Arbeiten ausführen, wenn sie Kolpingmitglieder waren. Eine Doppelmitgliedschaft bei Kolping und in der NSDAP war verboten. Unterschiedliche Veranstaltungen mussten beim Landratsamt genehmigt werden. Bei Prozessionen und Beerdigungen durften keine „Kirchenfahnen“ gezeigt werden. Handwerksmeister wurden unter Druck gesetzt, indem man ihnen die Aushändigung ihres Meisterbriefes vom Austreten aus der Kolpingsfamilie abhängig machte.
Trotz all dieser Widerstände hatten am 19. Januar 1938 in einer Feierstunde sieben junge Hünfelder Männer den Mut, in die Kolpingsfamilie einzutreten. Zwei Jahre später, im Oktober 1940, wurde die Kolpingsfamilie auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei verboten, das Kolpinghaus wurde mit allem Inventar beschlagnahmt. Vor zwei Jahren, im Oktober 2023, feierte die Kolpingsfamilie Hünfeld ihr 160jähriges Gründungsfest. Im Rahmen der Festveranstaltung ließen die Kolpingbrüder Berthold Schwalbach und Dietmar Weidenbörner als Chronisten die Geschichte und Entwicklung von Kolping in Hünfeld in einem heiteren mundartlichen Vortrag Revue passieren. Dabei wurde zunächst der Zeitraum der Schreckensherrschaft des sogenannten „Dritten Reiches“ ausgespart. In den Folgejahren hatten beide Chronisten die damaligen „geheimen Protokollbücher“ intensiv gesichtet und für diesen Vortrag aufbereitet.
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