"Der Mensch ist vorrangig!"

Franz Josef Haska berät seit 40 Jahren ehrenamtlich in Sachen Rente.

Onlineredakteurin

Sarah-Simone Roth

Einer dieser ehrenamtlichen Berater für die ACA ist der 73-jährige Franz-Josef Haska aus Essen. Der studierte Diplom-Sozialpädagoge und langjährige Leiter des Kolping-Berufsbildungswerkes Essen und Träger des Kolping-Ehrenzeichens ist seit 1986 Versichertenberater und blickt somit auf 40 Jahre Erfahrung zurück. Das Kolpingmagazin hat aus diesem Anlass mit ihm gesprochen:

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Beratertätigkeit! Wie viele Beratungsgespräche hast Du in dieser Zeit geführt?
Franz-Josef Haska: Im Quartal habe ich in etwa 20 Anträge und rund 60 Beratungen. Wobei unter Beratung auch eine telefonische Beratung fällt, die heute immer häufiger geworden ist. Wir kommen also in 40 Jahren auf ca. 2.500 Rentenanträge und das Dreifache an Beratungen, also ca. 7.500. Ich möchte eigentlich aber nicht über Zahlen reden, denn die Zahlen sind für mich zweitrangig. Der Mensch ist vorrangig! Mir ist wichtig, dass die Menschen verstehen, was hinter allem steckt – das ist sehr individuell.

Stichwort Altersarmut –  erlebst Du das häufig in den Gesprächen, die Du führst?
Franz-Josef Haska: Ja, gerade hier im Ruhrgebiet. Dabei sind vor allem Frauen betroffen, die eine schmale eigene Rente und eine ebenso knappe Hinterbliebenenrente erhalten. Wir haben hier sehr viele Männer mit einer gebrochenen Biografie: Wenn diese Männer versterben, bekommen die Ehefrauen nicht viel raus. Ein typisches Beispiel: Wenn ein Handwerker mit ca. 1.400 bis 1.600 Euro eigener Rente stirbt, dann bekommt die Witwe nur noch 60 Prozent davon gezahlt. Da kann man sich vorstellen, dass das kaum zum Leben reicht, wenn sie keine eigene Rente hat. Das ist für mich ein starker Faktor für Altersarmut.

“Der Mensch ist vorrangig! Mir ist wichtig, dass die Menschen verstehen, was hinter allem steckt – das ist sehr individuell.”

 

Franz Josef Haska

Gibt es in diesen 40 Jahren einen Fall, der Dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 
Franz-Josef Haska: Mich nimmt das manchmal schon mit, wenn ich einen Antrag auf Erwerbsminderung bearbeite: Es kommt vor, dass ich mich danach erstmal zurückziehen muss und eine Stunde brauche, um das zu verarbeiten. Ich erinnere mich: Vor einigen Jahren habe ich einen Erwerbsminderungsantrag aufgenommen bei einer jungen Dame. Sie war Anfang 30, als ich zu ihrem Krankenbett kam. Sie war schwer krebskrank, aber noch in der Lage, in meinem Beisein den Antrag zu unterschreiben. Diese Dame, das war uns beiden klar, würde nicht mehr den Bescheid ihres Antrages erleben. Warum ich damals so schlucken musste: Sie hatte am gleichen Tag Geburtstag wie meine Frau. Das ist mir sehr nahe gegangen. Die Rentenanträge, wo die Leute 67 Jahre alt sind und ihre Schäfchen im Trockenen haben, sind deutlich leichter zu beraten. Da kann man dem Rentenbewerber nur mit großer Freude auf die Schulter klopfen.

Was rätst Du jungen Menschen?
Franz-Josef Haska: Ich rate, regelmäßig das Versicherungskonto zu prüfen. Das wird auch von der Rentenversicherung spätestens kurz vor der Rente vorgegeben. Also regelmäßige Kontenklärung machen! Arbeitgeber haben nur 30 Jahre Aufbewahrungspflicht. Dann sind die Unterlagen im Zweifel weg.

Was genau hat diese ehrenamtliche Tätigkeit für Dich über 40 Jahre hinweg attraktiv gemacht?
Franz-Josef Haksa: Die Einzelfallhilfe. Du erlebst sofort das Feedback der Person, mit der das Gespräch geführt wird, das macht mir am meisten Spaß. Vielleicht ist diese Nähe zu den Menschen auch der Grund, warum ich so lange beim gleichen Arbeitgeber war. Ich hatte das Glück, 40 Jahre bei Kolping zu arbeiten.

Etwa 2.600 Berater*innen stehen den Rentenversicherten bundesweit mit Rat und Tat zur Seite. Darunter gehören auch mehr als 200 ehrenamtliche Versichertenberater*innen von Kolping, KAB und evangelischen Verbänden. Aber wie genau läuft eine Kontenklärung ab? Und warum macht diese nicht erst vor Renteneintritt Sinn? Das erfährst Du im Beitrag “Gut beraten in Sachen Rente”.

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