Mit Vollgas Richtung Zukunft

Kenias Wirtschaft boomt. Trotzdem ist die Arbeits­losigkeit unter Jugendlichen groß. Denn auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem Menschen mit praktischer Erfahrung gefragt. Genau hier setzt Kolping mit seinem Bildungszentrum in Kilimambogo an.

Mit Pappe, Stift und Schere fertigen Peter und seine Mitschüler eine Schablone für eine Zylindergasdichtung an. In Deutschland würden angehende Automechaniker*innen so etwas kaum lernen. In Kenia hingegen ist genau dieses Können gefragt. “Ersatzteile sind manchmal schwer zu bekommen”, erklärt Brian Mburu. “Unsere Schüler sind bekannt dafür, dass sie auch solche praktischen Lösungen beherrschen, auf die nicht jeder kommt.”

Brian Mburu ist einer der Lehrer des Kolping-Bildungszentrums in Kilimambogo, 90 Autominuten vor den Toren Nairobis. 100 Schüler*innen aus ganz Kenia erhalten hier eine Berufsausbildung in den Bereichen Gastronomie, Beauty, IT, Schreinerei, Maurerhandwerk oder Installation. Die Kurse sind staatlich zertifiziert und damit offiziell anerkannt – ein Qualitätsmerkmal, das den Absolventen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert. Je nach Fach dauern die Ausbildungen ein bis zwei Jahre.

Automechanik ist besonders beliebt. Denn mit dem Wirtschaftsboom wächst der Verkehr. Gut ausgebildete Automechaniker*innen haben geradezu eine Jobgarantie. "Es gibt noch andere Institute, wo man Automechanik lernen kann. Aber die vermitteln vor allem Theorie und kaum Praxis." 

“Ich will erst einmal eine Weile in einer Werkstatt arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und Routine zu bekommen. Aber irgendwann werde ich mich selbstständig machen und mein eigener Chef sein.”

Peter

Der 20-jährige Peter ist froh, einen der begehrten Ausbildungsplätze bei Kolping ergattert zu haben. Auch, weil die Schulgebühr von umgerechnet 30 Euro im Monat vergleichsweise günstig ist. Viele Schüler aus armen Familien haben dennoch Schwierigkeiten, das Schulgeld aufzubringen. Für seinen Mitschüler Kevin übernimmt es die heimatliche Kirchengemeinde – und erfüllt dem 19-Jährigen damit seinen Lebenstraum.

“Ich wollte schon immer Automechaniker werden. Bereits mit 13 habe ich jede freie Minute in der Autowerkstatt unseres Dorfes verbracht und zugeschaut. Manchmal durfte ich Werkzeug anreichen.”

Kevin

Kevin lächelt, als er auf die Zange in seiner Hand blickt. Ohne die Unterstützung von außen hätte er seine Ausbildung nicht beginnen können. 

Für einen kenianischen Jungen vom Land ist es nicht selbstverständlich, einen Beruf erlernen zu können. Das hat nicht nur mit den Ausbildungsgebühren zu tun, sondern auch damit, dass in Kenia nur die Grundschule kostenlos ist. Viele junge Menschen haben keinen Schulabschluss und deshalb kaum andere Möglichkeiten, als sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Eine qualifizierte Ausbildung kann für sie den entscheidenden Wendepunkt bedeuten. 

Damit jede*r mit Talent und Begeisterung die Chance auf eine Berufsausbildung bekommt, hat kolping Kenia die Bedingungen für die Einschreibung bewusst niedrig gehalten. Die Schüler müssen lediglich lesen und schreiben können. »Im Theorieunterricht differenzieren wir und geben manchmal auch Nachhilfe in Englisch oder beim Schreiben. Aber wenn es um die Praxis geht, lernen alle das Gleiche – dafür braucht es vor allem Motivation. Und die ist riesig«, bekräftigt Brian Mburu.

Besonders stolz ist der Automechanik-Lehrer auf seine beiden Lehrmittel: Neben einem uralten PKW verfügt das Zentrum über einen ausgemusterten Bus aus den frühen 90ern. 20 Jahre lang brachte er Schüler zu Kolping. Heute dient das Gefährt der Bildung auf andere Weise. 

Tatsächlich sind die Jobaussichten für die Azubis gut: Weil sie schon während der Kurse viel Praxiserfahrung sammeln, können sie später direkt in den Werkstätten eingesetzt werden. Kolping-Absolventen werden deshalb fast immer zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Je nach Auftragslage des Arbeitgebers können sie ein Einstiegsgehalt von 150 bis 350 Euro erwarten – für kenianische Verhältnisse ist das ausgezeichnet. Peter überlegt schon, wo er sich bewerben will. “Ich will erst einmal eine Weile in einer Werkstatt arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und Routine zu bekommen. Aber irgendwann werde ich mich selbständig machen und mein eigener Chef sein.” Dass solche Perspektiven entstehen, ist kein Zufall – sondern das Ergebnis engagierter Ausbildung und gemeinsamer Unterstützung.  

Die Ausbildungsplätze bei Kolping Kenia sind heiß begehrt. Sie sichern den Weg in eine eigenständige Zukunft – mit einem Beruf, der Freude macht. Damit auch Kinder aus armen Familien eine Chance haben, sind die Gebühren niedrig. 

Zum Artikel “Jugendlichen helfen” - Projekt im Fokus

Text: Katharina Nickoleit

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