Produkte, die von Vielfalt erzählen

Die Faire Woche macht Herausforderungen sichtbar. Der erstarkende Rechtspopulismus bedroht Vielfalt – auch im Fairen Handel. Dagegen setzt die Aktionswoche im September ein Zeichen. Kolping unterstützt sie mit seiner Kaffeemarke Tatico.

Christian Linker

Hier entsteht Tatico: Ramona Linder zu Besuch bei den Produzent*innen.

Während in den 70er und 80er Jahren die ersten Welt-Läden eröffneten und fair gehandelter Kaffee für viele Menschen lediglich an den Verkaufsständen engagierter Gemeindemitglieder nach der Sonntagsmesse erhältlich war, ist die Idee eines gerechteren Wirtschaftens heute weit verbreitet. Auch Discounter bieten faire Produkte an, Organisationen verankern fairen Handel in ihrem Beschaffungswesen. Doch wie nahezu überall, wo Menschen und Gruppen sich um Vielfalt und Gerechtigkeit bemühen, wird der Wind rauer. Und der weht überwiegend von rechts. Das trifft auch den Fairen Handel.

Schon vor fünf Jahren versuchte die AfD im Rat der nordrhein-westfälischen Stadt Moers mit einem Antrag zu verhindern, dass sich die Kommune als Fairtrade Town positionierte. Ähnliche Auseinandersetzungen gibt es an anderen Orten. Die AfD-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft stellte eine Kampagne der Hansestadt zum Fairen Handel 2022 kurzerhand unter Islamismus-Verdacht. Und im Bundestag forderte die rechtspopulistische Partei während der letzten Legislaturperiode, “die Kategorien des globalen Nordens und Südens aufzugeben”, da es sich um “Sprachmissbrauch” und eine “moralische Stigmatisierung” der Industrieländer handle.

Weitere Informationen

Alles über die Faire Woche unter dem Motto "Vielfalt beginnt bei dir – und wirkt in die Welt" gibt es auf diesen Kanälen:
@taticokaffee
@kolpingjugend_de
@kolpingjugend.dv.paderborn

Kolpingsfamilien und Einrichtungen, die sich mit einer eigenen Aktion beteiligen wollen, können sich in den Kalender der Fairen Woche eintragen und exklusives Infomaterial erhalten:
www.fairewoche.de/kalender

Das Tatico-Team unterstützt gern mit Infomaterial, Stand-Deko, Maschinen, Tassen, Roll-ups und
vielem mehr:
www.tatico.de

Die Geschäftsführerin des Weltladen-Dachverbandes, Gifty Amo Antwi, berichtet dem Portal evangelisch.de, dass viele Ehrenamtliche aus Weltläden Anfeindungen erlebten. Umso mehr Sorge bereiteten dem Verband die geplanten Einschnitte der Bundesregierung beim Förderprogramm “Demokratie leben!", denn die politische Bildungsarbeit gehöre zum Fairen Handel unbedingt dazu, so Gifty Amo Antwi. Das sieht auch Ramona Linder so. Sie leitet die Kolping Röstwerkstatt Brakel gGmbH, wo der inzwischen europaweit konsumierte Tatico-Kaffee produziert wird. “Wirtschaft, Politik und Bildung gehören beim Fairen Handel zusammen”, sagt Ramona Linder. “In lokaler wie in globaler Perspektive.” Nicht zuletzt deshalb steht die Faire Woche im September ganz im Zeichen der Vielfalt: Vom 11. bis 25. September werben Geschäfte, Schulen, Restaurants, Kirchengemeinden und viele andere Akteur*innen mit zahlreichen Aktionen für mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel. Dass Vielfalt nicht einfach ein Schlagwort ist, sondern die ganz konkrete Arbeit prägt, zeigt sich bei Tatico. "In unserer Röstwerkstatt arbeiten sieben Personen mit fünf Nationalitäten," sagt Ramona Linder, “Menschen mit und ohne Behinderung. Vielfalt ist kein Zustand – sie ist eine Entscheidung.”
 

Kaffee und Demokratie

Dafür stehe allein schon die Bandbreite fair gehandelter Produkte – weit über Kaffee, Tee und Schokolade hinaus. “Produkte erzählen Geschichten verschiedener Regionen, Kulturen und Produzent*innen«, sagt Ramona Linder. ”Dazu gehören die verschiedenen Kooperativen aus unterschiedlichen Regionen, mit denen wir zusammenarbeiten, ihre Lagen und Anbaumethoden, die Nuancen der Kaffees, der Böden, der Biodiversität und Mikroklimata, nicht zuletzt der Menschen." Für sie schafft Fairer Handel Einkommen und Zukunftsperspektiven, auch ökologisch. Denn die kleinbäuerlichen Betriebe setzen auf Mischkulturen und Agroforst statt auf Monokulturen, das schützt Böden und Wasserquellen.

“Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der der Landwirt nicht nur für die Menge seiner Produktion wertgeschätzt wird, sondern auch für die Sorgfalt, die er der Umwelt entgegenbringt, um die Vielfalt unserer Lebensgrundlagen zu erhalten.”
 

Rashel Sierra, Süd-Nord-Freiwillige aus Honduras im Jahr 2024/2025 im Kolping Berufsbildungswerk Brakel gGmbH

Zugleich ist Vielfalt auch eine Grundlage von Demokratie – im Norden wie im Süden der Welt. Zwischen Kaffeepflanzen und Bildungsangeboten entsteht beispielsweise in Honduras eine besondere Form der Mitbestimmung, wie Ramona Linder erklärt. “Unser lokaler Partner, die Kooperative COMICLOL, gibt Menschen eine Stimme, die sich von der nationalen Politik übersehen fühlen.” Solche Zusammenschlüsse kleiner Kaffeeproduzent*innen bilden Gegenpole zur Machtkonzentration in globalen Lieferketten. Hier wird sichtbar, wie sich Weltpolitik und der ganz konkrete Alltag gegenseitig durchdringen. Diese Erfahrung zu vermitteln ist auch ein Anliegen der Fairen Woche. “Wir bringen Menschen zusammen und ermutigen sie, sich für Solidarität, Gerechtigkeit und Vielfalt einzusetzen”, sagt Ramona Linder. “Wir wollen Vielfalt erleben, voneinander lernen und gemeinsam Zukunft gestalten.”

Ihren besonderen Fokus richtet die Faire Woche auf das Engagement der jungen Generation. Darum wird die Kolpingjugend gemeinsam mit Tatico auf ihren Social Media-Kanälen das Thema aufgreifen und die Perspektive junger Menschen als Gestalter*innen und Entscheidungsträger*innen der Zukunft einbringen. Katharina Diedrich, Bundesleiterin der Kolpingjugend, hat dafür schon eine klare Vorstellung vor Augen: "In meiner fairen Zukunft konsumieren wir bewusst, kommunizieren wir auf Augenhöhe und es gibt keine Diskriminierung."

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