Redakteurin
Ohne das Handwerk würde es das Kolpingwerk so nicht geben. Schließlich gründete Adolph Kolping – selbst gelernter Schuhmacher – vor 175 Jahren seinen katholischen Gesellenverein, um Handwerkern unter die Arme zu greifen. Grund genug, zu schauen: Wie wird Handwerk heute gelebt? Wie hat es sich verändert – und was ist seit Jahrhunderten gleich? Über Meister, Gesell*innen und Azubis.
Jedes Mal, wenn Hendrik Brüning in seinem familiengeführten Blumenladen in Köln Bayenthal zum Vorstellungsgespräch lädt, lässt er sich von den Bewerber*innen direkt auch einen Strauß binden. “Noten sind mir gar nicht so wichtig. Vielmehr geht es mir um Kreativität. Entweder man hat die oder eben nicht. Alles andere kann man lernen.” Nellis Strauß, das weiß der Chef noch, war eher wild – und hat scheinbar ins Schwarze getroffen, denn nach nur einem Tag Probearbeiten unterschreibt die damals 20-Jährige direkt ihren Ausbildungsvertrag.
Dass mehr als die Hälfte der Arbeitszeit für Vorbereitungen investiert werden muss, macht Nelli nichts aus. “Ich habe in der Woche vor Valentinstag hier angefangen. Da war mir ziemlich schnell klar, was alles zur Floristikausbildung dazu gehört – und wie viel man vorbereiten muss. Aber mir gefallen alle diese Prozesse”, schwärmt sie.
Jeder Strauß trägt eine eigene Handschrift
Katrin Opitz hat Nellis Ausbildung begleitet. Die Floristikmeisterin bringt eine ganz spezielle Expertise mit. Sie hat nämlich unter anderem an der renommierten Staatlichen Fachschule für Blumenkunst in Weihenstephan gelernt – von wo aus sie nach Japan entsandt wurde, um in Tokio Westliche Floristik zu unterrichten. Mit dieser Handwerkskunst kann man also auch richtig rumkommen!
“Wir erkennen hier im Laden sofort, wer welchen Strauß gebunden hat. Jede*r von uns hat eine ganz eigene Handschrift”, sagen Nelli und Katrin schmunzelnd. Da ist es gut, dass kein Auftrag wie der andere ist: Ob Hochzeitsdeko, Grabkranz, Firmenevent oder Wintergesteck, jedes Mal muss sich der Florist in die Location und in seine Kund*innen hineindenken, um den richtigen Ton zu treffen und die richtige Blume zu finden. “Ich habe mal einen Brief von einem Brautpaar bekommen, für die ich die Blumen gemacht habe. Die haben Fotos ihrer Hochzeit geschickt und sich bedankt. Das fand ich total süß”, erinnert sich Nelli.

Das Beste zum Schluss
Und es gibt noch eine Besonderheit, die für dieses Handwerk spricht: “Floristen sehen immer total jung aus. Ich glaube das liegt daran, dass wir immer so gut gekühlt sind”, lacht Nelli.
Auch im nächsten Magazin schauen wir uns 1 von 130 an! Gibt es einen handwerklichen Beruf, über den Du mehr erfahren möchtest? Dann schick’ uns gerne Dein Feedback an mitmachen@kolping.de oder postalisch an Kolpingwerk Deutschland, Redaktion, St.-Apern-Straße 32,
50667 Köln.
363.000 junge Menschen lernen in Deutschland gerade ein Handwerk. Jedes Jahr kommen rund 140.000 neue hinzu. Denn Handwerk hat viel zu bieten: gute Verdienstmöglichkeiten, Fachkräfte sind gefragt wie nie. Hammer und Hobel gehören auch heute noch in den Werkzeugkasten, doch längst werden in den Gewerken öfter Laptop und Laser gezückt, als der Zollstock.
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