Redakteurin
Ohne das Handwerk würde es das Kolpingwerk so nicht geben. Schließlich gründete Adolph Kolping – selbst gelernter Schuhmacher – vor 175 Jahren seinen katholischen Gesellenverein, um Handwerkern unter die Arme zu greifen. Grund genug, zu schauen: Wie wird Handwerk heute gelebt? Wie hat es sich verändert – und was ist seit Jahrhunderten gleich? Über Meister, Gesell*innen und Azubis.
“Eigentlich war der Weg bei mir vorgezeichnet”, sagt Nico und schmunzelt. Sein Vater ist ebenfalls Schornsteinfeger – das Handwerk wurde ihm sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Doch Nico folgte nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung in diesen Beruf. "Viele haben ein falsches Bild von unserem Handwerk und denken nur an den dreckigen, schwarzen Mann auf dem Dach", erklärt er. “Dabei ist der Beruf unglaublich vielseitig.”
Besonders reizt ihn die Verantwortung, die seine Arbeit mit sich bringt. Schornsteinfeger*innen sorgen für Brandschutz, prüfen Heizungsanlagen und verhindern Gefahren, die Hausbesitzende oft nicht sehen. “Wenn man einmal erlebt hat, was bei einem Kaminbrand passieren kann, weiß man, warum diese Arbeit so wichtig ist”, sagt Nico. Dieses Wissen gibt ihm am Ende eines langen Arbeitstages das gute Gefühl, wirklich etwas Sinnvolles geleistet zu haben. “Man geht aus manchen Häusern raus und weiß: Das war jetzt wirklich notwendig.” Heute ist der Beruf weit mehr als Kehren und Messen. Durch die Energiewende und neue Heizsysteme sind Schornsteinfeger*innen auch neutrale Berater*innen. “Wir verkaufen keine Heizungen. Deshalb können wir ehrlich sagen, was zum Haus und zu den Menschen passt«, erklärt Nico. ”Wir kommen immer wieder in die Häuser, kennen die Anlagen und können die Menschen individuell beraten." Diese Unabhängigkeit schafft Vertrauen – und macht den Beruf moderner denn je.
In Nicos Betrieb arbeitet aktuell eine weibliche Auszubildende. Zwei weitere Auszubildende, ebenfalls Frauen, sind im Betrieb seines Vaters Oliver Seifert tätig. Für ihn ist das selbstverständlich. “Einen wirklichen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt es bei uns nicht.” Zwar begegneten ihnen vereinzelt Kund*innen, die Frauen den Beruf zunächst nicht zutrauten, doch das lege sich schnell. “Sobald sie sehen, wie souverän die Arbeit gemacht wird, ist das Thema erledigt.” Viele Kund*innen seien sogar positiv überrascht und froh über mehr Vielfalt im Handwerk. Nico betont zudem, dass Auszubildende bei ihm besonders vielseitig lernen: “Sie übernehmen nicht nur klassische Aufgaben, sondern lernen auch handwerkliche Zusatzfähigkeiten – von kleinen Reparaturen über Montagearbeiten bis hin zur Energieberatung.”
Einen starken Rückhalt bekommt der Beruf durch die Innung. Schornsteinfeger*innen gehören zu den am besten organisierten Handwerksberufen. Weiterbildung, Nachwuchsförderung und enger kollegialer Austausch sorgen dafür, dass sich das Handwerk stetig weiterentwickelt. “Wenn irgendwo ein Problem ist, hilft man sich gegenseitig. Dieser Zusammenhalt ist etwas Besonderes”, sagt Nico.
Trotz Ruß, vollen Terminkalendern und körperlicher Arbeit bereut er seine Entscheidung keine Sekunde. “Man weiß abends, wofür man gearbeitet hat – und dass Häuser sicherer sind als am Morgen. Und bei gutem Wetter gibt es nichts Schöneres, als auf dem Dach zu stehen und den Kehrbezirk von oben zu sehen.”
Auch im nächsten Magazin schauen wir uns 1 von 130 an! Gibt es einen handwerklichen Beruf, über den Du mehr erfahren möchtest? Dann schick’ uns gerne Dein Feedback an mitmachen@kolping.de oder postalisch an Kolping Deutschland, Redaktion, St.-Apern-Straße 32,
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