Redakteurin
Ohne das Handwerk würde es KOLPING so nicht geben. Schließlich gründete Adolph Kolping – selbst gelernter Schuhmacher – vor 175 Jahren seinen katholischen Gesellenverein, um Handwerkern unter die Arme zu greifen. Grund genug, zu schauen: Wie wird Handwerk heute gelebt? Wie hat es sich verändert – und was ist seit Jahrhunderten gleich? Über Meister, Gesell*innen und Azubis.
“Der Grund, warum ich mich für eine handwerkliche Ausbildung entschieden habe, war eigentlich, dass ich nach dem Abi nicht direkt studieren wollte. Ich brauchte eine Pause,” erinnert sich Meisterin Sarah Stahl. Denn obwohl sie schon in ihrer Kindheit viel gelesen hat, wäre die Kölnerin nie auf die Idee gekommen, sich ausgerechnet dieses Handwerk auszusuchen. Heute kann sich Sarah nichts Passenderes vorstellen! “Ich war schon immer kreativ unterwegs, und dann hab’ ich einfach richtiges Glück gehabt, denn die Buchbinderei, das liegt mir tatsächlich schon sehr, sehr gut”, freut sich die 40-Jährige.
Mittlerweile ist sie ihre eigene Chefin. Gemeinsam mit Buchbinderin Nina Scholle arbeitet sie in ihrer zweigeschossigen Werkstatt mit angeschlossenem Verkaufsraum an aufwändigen Bindungen, kunstvollen Veredelungen oder auch komplizierten Reparaturen. Kein Auftrag ist wie der andere – und genau das finden die beiden Frauen so spannend! Studierende bringen ihre Dissertationen, Restaurants Speisekarten vorbei, um ihnen den entsprechenden Look verpassen zu lassen. Kanzleien, Werbeagenturen oder Fotostudios gehören ebenso zum Kundenstamm, wie Privatpersonen, die einem liebgewonnenen Familienalbum, Kochbuch oder Skizzenheft ein neues Gewand bescheren möchten.
Sorgfalt, handwerkliches Geschick und einen gewissen Sinn für Ästhetik sollte man mitbringen – und außerdem eine gute Portion Standfestigkeit! Denn in der Buchbinderei gibt es kaum eine Tätigkeit, die im Sitzen ausgeführt werden kann. Schneidemaschine, Buchpresse, Einhänge- oder Anleimmaschine werden im Stehen bedient. “Deswegen mag ich auch die Fadenheftung so gern, da kann man nämlich auch mal sitzen,” schmunzelt Nina.
Ein Handwerk, in dem man sich verlieren kann
In den seltenen Momenten, in denen Meisterin Sarah mal nicht mit einem Buchprojekt beschäftigt ist oder einen Kunden berät, probiert sie gern neue Sachen aus – denn die kreative Buchbinderin hat 1.000 Ideen im Kopf. Besonders gern arbeitet sie derzeit an Prägungen, aber auch an Umverpackungen, die auch bei den Kunden gut ankommen.
Auch wenn die Digitalisierung unaufhaltsam weiter voranschreitet: dieses uralte Handwerk wird mit Sicherheit niemals aus der Mode kommen. Denn die Sehnsucht nach Individualismus, einem Hauch Luxus und dem besonderen Etwas wird auch in Zukunft nicht aus der Mode kommen.
Auch im nächsten Magazin schauen wir uns 1 von 130 an! Gibt es einen handwerklichen Beruf, über den Du mehr erfahren möchtest? Dann schick’ uns gerne Dein Feedback an mitmachen@kolping.de oder postalisch an Kolping Deutschland, Redaktion, St.-Apern-Straße 32,
50667 Köln.
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