Chefredakteur
Sie spricht über Mut, Gemeinschaft und die Zukunft von KOLPING in Kirche und Gesellschaft.
Als sie 2018 zur Bundesvorsitzenden gewählt wurde, war das kein spontaner Schritt. “Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt machen kann”, erinnert sie sich. Die Wahl einer Frau an die Spitze des Verbandes war damals keineswegs selbstverständlich. “Viele kamen zu mir und sagten, wie motivierend sie es finden, dass ich als Frau dieses Amt übernommen habe.” Solche Gespräche hätten ihr Mut gemacht und gezeigt, dass Vorbilder wichtig sind – gerade in Kirche und Gesellschaft. “Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und anderen zu zeigen: Ja, wir können das.”
Tragendes Miteinander
Was die gelernte Bankkauffrau getragen hat, war das Miteinander, das sie seit ihrem Eintritt bei der
Kolpingsfamilie Mainz-Zentral 2014 erlebt hat. “Ich war ja nicht allein – das war das Allerwichtigste”,
sagt sie. Das zeigte sich dann auch in ihrer Arbeit als Bundesvorsitzendende: In den ersten Jahren
habe sie mit Ullrich Vollmer, dem damaligen Bundessekretär des Kolpingwerkes, jemanden mit viel
Erfahrung an ihrer Seite gehabt. Das habe ihr viel Sicherheit gegeben.
Erlebnis der Vielfalt

Ursula Groden-Kranich reiste viel “durch den Verband” und genoss dabei die große Vielfalt der Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen. “Ich fand es immer am schönsten, vor Ort zu sein – in den Diözesanverbänden, bei den Kolpingsfamilien, quer durch die Republik und darüber hinaus.” Sie erinnert sich an ihren ersten Außentermin in Stetten im DV Würzburg und an ihren letzten in Bohmte im DV Osnabrück. “Diese Selbstverständlichkeit, diese Gastfreundschaft, dieses einander Helfenwollen – das beeindruckt mich bis heute”, so Groden-Kranich.
Digitaler und solidarischer
Doch dann kam Corona. Das Leben in den Kolpingsfamilien und in den Verbandsgremien auf den verschiedenen Ebenen war nicht mehr in der gewohnten Weise möglich. Der Verband musste sich umstellen. Mittels Handreichungen wurden Ideen und Initiativen geteilt, wie die Arbeit vor Ort aufrecht erhalten bleiben konnte. Auch organisatorisch und technisch hat sich KOLPING seit ihrem Amtsantritt stark verändert. Miteinander in Videokonferenzen zu kommunizieren, ist selbstverständlich geworden und erleichtert die Verbandsarbeit oftmals – auch wenn dann der persönliche Kontakt leidet. “Wir sind digitaler geworden. Vor allem aber hat der Verband seine Stärke in Krisenzeiten bewiesen.” Beeindruckend war die große Solidarität, die die Kolpinggeschwister nach der Flutkatastrophe an der Ahr im Sommer 2021 und vor allem auch seit dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine im Februar 2022 zeigte.
“Wenn ich daran denke, wie Kolpingmitglieder aus dem Diözesanverband Erfurt nachts mit dem Lkw Hilfsgüter in die Ukraine gebracht haben oder wie Spenden über Polen bis nach Rumänien weitergeleitet wurden – da wird einem warm ums Herz. Das ist KOLPING! Diese Größe, dieses Zusammenhalten in schwierigen Zeiten – das zeichnet uns aus.”

Überzeugt und doch zerrissen
Auch Groden-Kranich ist nicht immer alles leichtgefallen. Schwierig war bisweilen das Auseinanderklaffen von parteipolitischer Linie, in die sie als CDU-Bundestagsabgeordnete von 2013 bis 2021 und dann noch einmal für einige Wochen Anfang 2025 eingebunden war, und die verbandspolitische Positionierung. Solche Momente hätten sie stark gefordert, aber auch geprägt. “Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben. Ich werde nur ernst genommen, wenn ich authentisch bin – und nur dann kann ich auch für die Sache kämpfen.” Auch war es nicht immer ganz leicht, Mandat, Familie, und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen. Trotzdem war für sie klar: Wenn sie eine Aufgabe übernimmt, dann mit ganzer Kraft. “Ganz oder gar nicht – das war immer mein Ansatz.”
“Das Kolpingwerk und das Handwerk sind seit jeher eng miteinander verbunden. Wir danken Ursula Groden-Kranich ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit mit dem ZDH. Auch die Sitzungen unseres Arbeitskreises Kolping und Handwerk hat sie mit ihren klugen Impulsen und ihrem Engagement für die Anliegen junger Menschen bereichert.”
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
Hohe Aktualität
In den Jahren als Bundesvorsitzende beschäftigte sie sich viel mit der Person Adolph Kolping, der
ihr zu einem persönlichen Vorbild wurde. “Kolping war ja nicht in die Wiege gelegt, was er am Ende getan hat. Und genau das ist doch der Ansporn für uns alle: Gott stellt jeden dorthin, wo er ihn braucht. Das versteht man nicht immer sofort – manchmal erst im Nachhinein.” Auch wenn rund 175 Jahre vergangen sind, seit Kolping seine Ideen und Vorstellungen formuliert hat, ist Groden-Kranich überzeugt: “Wir sind so aktuell wie noch nie.” Denn Kolpings Haltung – mutig zu handeln, nicht aufzugeben und sich für andere einzusetzen – sei heute genauso wichtig wie zu seinen Zeiten.
“Unsere enge Verbindung beruht auf dem gemeinsamen Engagement für faire Arbeitsbedingungen und eine starke Ausbildung im Handwerk. Dafür möchten wir Frau Groden-Kranich herzlich danken. Es ist genau diese Einigkeit, die es uns ermöglicht, unsere Stimmen zu einem kraftvollen Chor zu vereinen, der weithin hörbar ist.”
Stefan Körzell, Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes
Das gilt im gesellschaftlichen Kontext wie im kirchlichen: “KOLPING muss die Lücken füllen, die die Kirche frei macht.” Sie beobachtet, dass vielerorts die seelsorgerische Begleitung fehlt – und genau dort könne KOLPING ansetzen, meint Groden-Kranich und ergänzt: “Wir sollten stärker darauf schauen, was die Menschen wirklich brauchen und wonach sie sich sehnen. Das verbandliche Handeln muss flexibler und zielorientierter werden. Satzungen sollte man weniger als ‘Gesetz(t)’ betrachten, sondern als Rahmen, den es mit Menschen zu füllen gilt, die sich im Sinne Adolph Kolpings engagieren wollen.” So könne KOLPING eine besondere Rolle spielen. “Wir unterscheiden uns von anderen Verbänden, weil wir nicht nur fordern – wir liefern auch. Wir packen an. Das ist unser Markenzeichen – und das muss es auch bleiben.”
Große Zuversicht
Am Ende ihres Amtes blickt Groden-Kranich mit Dankbarkeit zurück – auf die vielen Begegnungen, die Unterstützung aus dem Verband und das Vertrauen der Mitglieder. "Ich gehe mit einem vollen
Herzen. Kolping ist für mich mehr als ein Ehrenamt geworden – es ist eine Lebensgemeinschaft. Und ich wünsche mir, dass wir alle dieses Miteinander weitertragen – mit Mut, mit Freude und mit Glauben."
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