Chefredakteur
KOLPING – ein prägender Wertekompass
Unter dem wachsamen Blick des Bundesadlers wird über die Zukunft Deutschlands entschieden.
Wer bei Kolping mitmacht, engagiert sich – für Menschen, für Gerechtigkeit, für das Gemeinwohl. Der katholische Sozialverband ist seit Generationen ein Ort, an dem junge Menschen soziale Verantwortung erlernen und oft erste Schritte in Richtung gesellschaftlicher Beteiligung oder politischer Mitverantwortung gehen. Nicht selten führt dieses Engagement in die Parlamente – bis hinein in den Deutschen Bundestag. Dort sitzen heute 29 Politikerinnen und Politiker, die Kolpingmitglieder sind. Zwei von ihnen: Andreas Schwarz (60) aus Bamberg ist seit 2013 für die SPD im Deutschen Bundestag. Seine Kollegin Catarina dos Santos-Wintz (31) aus Aachen gehört seit 2021 der CDU/CSU-Fraktion an. Beide trennt viel – Alter, Geschlecht, Partei, Herkunft. Und doch zeigt sich: Kolping verbindet.
Politische Motivation und der Einfluss von KOLPING
Andreas Schwarz motivierte sein politischer Wertekompass in die Politik einzutreten und später in die Kolping-Gemeinschaft: “KOLPING wie auch die Sozialdemokratie stehen für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität.” Neben Verantwortungsbewusstsein und nachhaltigem Denken war es auch der gesellschaftliche Zusammenhalt, der Catarina dos Santos-Wintz in die Politik führte: Sehr stark kommt bei ihr auch der Impuls zum Ausdruck, “die Zukunft der Menschen mitzugestalten”. Wie für ihren Kollegen spielt bei dos Santos-Wintz die katholische Soziallehre eine wesentliche Rolle als inneres Kompasssystem, das ihr – bewusst oder unbewusst – Orientierung gibt. Politik brauche Werte, “gerade in einer zunehmend polarisierten Welt”.
Der Blick auf die neue Legislaturperiode
Beide Parlamentarier zeigen sich nachdenklich angesichts des politischen Klimas. Schwarz warnt vor dem “Erstarken extremer und extremistischer Kräfte” und sieht die Demokratie an einem Scheideweg: “Unser Land braucht weniger Hass und mehr Zuversicht.” Dos Santos-Wintz wünscht sich “mehr Sachlichkeit, mehr Mut zu gemeinsamen Lösungen und den klaren Willen, unser Land wirklich voranzubringen. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört – deshalb ist es umso wichtiger, Brücken zu bauen zwischen Generationen, Meinungen zu respektieren und Lebensrealitäten anzuerkennen”.
Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit
Auch in der Beschreibung ihrer parlamentarischen Arbeit zeigen sich Gemeinsamkeiten. Die CDU-Politikerin stellt den direkten Kontakt zu den Menschen ins Zentrum: “Ich möchte Politik nahbar machen, zuhören und vor allem Lösungen bieten. Politik muss verbindend wirken, nicht spalten.” Ihr Kollege von der SPD betont die Notwendigkeit von Ausgleich und solidarischer Kompromissfindung, gerade in seinem Bereich der Haushaltspolitik. Es gehe darum, “die Menschen bei den Entscheidungen mitzunehmen und im Sinne eines solidarischen Miteinanders immer nach einem Kompromiss zu suchen”.
Politisches Engagement von KOLPING
Interessant ist die Übereinstimmung bei der Frage nach der Rolle von KOLPING in der politischen Debatte: Beide Abgeordnete sehen KOLPING als Institution, die ihren eigenen Interessen und Werten Gehör verschaffen solle, um Orientierung zu geben, insbesondere in Zeiten, “in denen Radikale versuchen, unsere Demokratie, den Rechts- und Sozialstaat zu unterwandern”, so Schwarz. Auch dos Santos-Wintz sieht KOLPING als Stimme, “die Halt geben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken” könne: “KOLPING kann hier eine Brücke schlagen – zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft.”
Gemeinsames Fundament jenseits der Parteigrenzen
Zwei Menschen, zwei Lebensläufe, zwei politische Lager. Und doch lässt sich feststellen: In grundlegenden Fragen verbinden gemeinsame christliche und soziale Werte die beiden Abgeordneten: Verantwortung, Solidarität, Orientierung am Gemeinwohl fungieren als Brücke zwischen politisch gegensätzlichen Lagern. Dieses gemeinsame Wertefundament kann über Parteigrenzen hinweg tragen – und vielleicht ist gerade das der gesellschaftspolitische Mehrwert eines katholischen Sozialverbandes wie KOLPING in unserer Zeit.
Dem 21. Deutschen Bundestag gehören 29 Kolpingmitglieder an:

Peter Aumer (CDU)
Sascha van Beek (CDU)
Peter Beyer (CDU)
Florian Bilic (CDU)
Michael Brand (CDU)
Michael Donth (CDU)
Hansjörg Durz (CSU)
Marc Henrichmann (CDU)
Ralph Edelhäußer (CSU)
Susanne Hierl (CSU)
Andreas Jung (CDU)
Anja Karliczek (CDU)
Roderich Kiesewetter (CDU)
Ulrich Lange (CSU)
Dr. Andreas Lenz (CSU)
Patricia Lips (CDU)
Friedrich Merz (CDU)
Josef Oster (CDU)
Dr. Stefan Nacke (CDU)
Dr. Martin Plum (CDU)
Oliver Pöpsel (CDU)
Alexander Radwan (CSU)
Stefan Rouenhoff (CDU)
Catarina dos Santos-Wintz (CDU)
Andreas Schwarz (SPD)
Jens Spahn (CDU)
Albert Stegemann (CDU)
Stephan Stracke (CSU)
Johannes Winkel (CDU)

Interview
Hier findest Du die vollständigen Fragen, die das Kolpingmagazin gestellt hat. Und die jeweiligen Antworten dazu von Catarina dos Santos-Wintz (CDU) und Andreas Schwarz (SPD).
Dos Santos-Wintz: Ich habe mich schon als Kind für politische Zusammenhänge interessiert und auch gerne diskutiert. Aktiv in die Politik gekommen bin ich allerdings eher zufällig – durch ein persönliches Gespräch mit einem heutigen Parteifreund. Mein ursprünglicher Beruf als Rechtsanwältin und mein Amt als Bundestagsabgeordnete haben aber etwas gemeinsam: in beiden Positionen kann ich mich für Menschen und ihre Interessen einsetzen. Insbesondere als Politikerin hat man die Möglichkeit, die Zukunft der Menschen mitzugestalten. Daher war auch das Motto meines ersten Wahlkampfes: „Mut zu Neuem. Miteinander.“ Verantwortung, Zusammenhalt und nachhaltiges Denken, diese Werte sind nicht nur mir wichtig, es sind auch Werte, die ich mit der Kolping-Gemeinschaft verbinde und die mich seit vielen Jahren begleiten.
Schwarz: Kolping wie auch die Sozialdemokratie stehen für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität. Mein politischer Wertekompass motivierte mich einst, in die SPD einzutreten und später dann auch in die Kolping-Familie.
Schwarz: Das Erstarken extremer und extremistischer Parteien bei der letzten Bundestagswahl macht nachdenklich. Wir stehen an einem Scheideweg. Unser Land braucht weniger Hass und mehr Zuversicht. Darum geht es in den kommenden vier Jahren.
Dos Santos-Wintz: Das Ende der Ampel-Koalition lag zwar im letzten Jahr viele Monate in der Luft – letztlich war es aber doch überraschend. Und so mussten wir innerhalb kürzester Zeit einen Bundestagswahlkampf planen. Das war nur mit Hilfe der vielen freiwilligen Ehrenamtler möglich. Diese große Unterstützung und der Fleiß wurden mit dem Direktmandat in meiner Heimat belohnt. Als Politikerin und aus meinem früheren Beruf als Rechtsanwältin weiß ich, wenn die Menschen einem die eigenen, oft sehr persönlichen Anliegen vertrauensvoll in die Hände legen, muss man diesen Vertrauensvorschuss doppelt zurückgeben. Das ist mein Ansporn. Mit einer CDU-geführten Regierung Verantwortung übernehmen und mit voller Kraft für die Menschen in meiner Heimatregion arbeiten. Von der neuen Legislaturperiode wünsche ich mir mehr Sachlichkeit, mehr Mut zu gemeinsamen Lösungen und den klaren Willen, unser Land wirklich voranzubringen. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört – deshalb ist es umso wichtiger, Brücken zu bauen zwischen Generationen, Meinungen zu respektieren und Lebensrealitäten anzuerkennen.
Dos Santos-Wintz: Ich reflektiere nicht jeden Tag, für welche Werte ich heute einstehen möchte. Diese Werte habe ich mir über die Jahre angeeignet und hoffentlich folge ich Ihnen bewusst wie unbewusst. Doch manchmal brauche auch ich einen Rat. Dann hilft ein Blick in die Geschichte und eine Rückbesinnung. Diese Erinnerung kann manchmal sogar sehr erfrischend sein, wenn man im Alltag den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr sieht. Das Menschenbild der CDU ist geprägt von der katholischen Soziallehre. Und Politik braucht Werte – gerade in einer zunehmend polarisierten Welt.
Schwarz: Die katholische Soziallehre betont, dass jeder Mensch würdevoll und in einem gleichberechtigten Miteinander leben soll. Die Beseitigung von Armut und die Herstellung von Chancengerechtigkeit stehen im Fokus. Das sind Werte und Ziele, an denen ich mich mit Überzeugung orientiere.
Schwarz: Als Haushaltspolitiker muss ich über die Verteilung von Geldern und die Priorisierung vieler guter und berechtigter Anliegen mitentscheiden. Nicht jede Maßnahme, die sinnvoll erscheint, kann dabei berücksichtigt werden. Wir dürfen aber die Themen nicht gegeneinander ausspielen. Vielmehr geht es darum, die Menschen bei den Entscheidungen mitzunehmen und im Sinne eines solidarischen Miteinanders immer nach einem Kompromiss zu suchen.
Dos Santos-Wintz: Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht für mich der direkte Draht zu den Menschen, die ich vertrete. Ich möchte Politik nahbar machen, zuhören und vor allem Lösungen bieten. Politik muss verbindend wirken, nicht spalten. Durch meine neuen Aufgaben in der Bundestagsfraktion bin ich allerdings mehr als früher in Berlin gebunden und übernehme wichtige Aufgaben, die man von außen nicht immer so gut sieht. Ich bin jetzt viel mehr im „Maschinenraum“ der Fraktion. Um meinem Anspruch im Wahlkreis präsent zu sein, muss ich daher viel effizienter sein und mich auf bestimmte Aufgaben konzentrieren. Das musste ich selbst erst für mich lernen. Aber auch die Anliegen vor Ort verändern sich spürbar: Der Beginn meines Bundestagsmandats war geprägt von den Folgen der Flut und von Corona. Inzwischen bewegen die Menschen die steigenden Lebenshaltungskosten und Energiepreise, aber auch der Grenzverkehr und der ÖPNV. Gleichzeitig erlebe ich, wie sich gerade bei jungen Menschen die Erwartungen an Politik – geprägt durch Soziale Medien – wandeln. Als eine der jüngeren Abgeordneten möchte ich zeigen, dass politische Verantwortung und frischer Wind kein Widerspruch sind.
Dos Santos-Wintz: Es geht nicht darum, laut zu sein – sondern Orientierung zu geben. Gerade in Zeiten, in denen Populismus und Extremismus zunehmen, braucht es Stimmen, die Halt geben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. KOLPING kann hier eine Brücke schlagen – zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft.
Schwarz: Kolping ist keine Partei, sollte aber den eigenen Interessen und Werten Gehör verschaffen. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen Radikale versuchen, unsere Demokratie, den Rechts- und Sozialstaat zu unterwandern.
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