Meisterhaftes Engagement

KOLPING ist traditionell eng mit dem Handwerk verbunden. Dank hoher Expertise, starkem Einsatz in der Selbstverwaltung und enger Zusammenarbeit mit ZDH, DGB und Politik findet die handwerkspolitische Stimme von KOLPING Gehör.

Porträt von Dr. Torben Schön

Fachreferent Handwerk

Dr. Torben Schön

Immer im Gespräch: Kolpingvertre­ter*in­nen tauschen sich mit Repräsentanten der Handwerksorganisation aus.

Die berufliche Bildung ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft – und doch ist sie bis heute nicht gleichgestellt mit der akademischen Ausbildung. Besonders deutlich zeigt sich das am sogenannten Meister-BAföG: Das “Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz” (AFBG) soll Berufstätige auf dem Weg zur Meisterqualifikation unterstützen – mit Zuschüssen zu Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und Lebensunterhalt.

Doch trotz einiger Verbesserungen, für die sich KOLPING in der Vergangenheit mit Nachdruck eingesetzt hat, bleibt der Eigenanteil für die Meisterkandidat*innen hoch – in vielen Fällen zu hoch: Bis zu 20 Prozent der Kosten müssen selbst aufgebracht werden, was für viele eine spürbare Hürde darstellt. Vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten wird die Entscheidung für eine Fortbildung zur finanziellen Gratwanderung – mit Folgen: Die Zahl der Meisterprüfungen ist zwischen 2013 und 2022 von fast 23.000 auf rund 20.500 zurückgegangen.

Für das Kolpingwerk ist klar: Wer berufliche Bildung stärken will, muss sie auch wirklich gleichwertig behandeln. Der Kolping-Bundesvorstand hat sich deshalb im Juli 2024 erneut zur “Reform des ‚Meister-BAföG‘” geäußert und eine deutlichere Anhebung der Beträge für die Unterhaltskosten gefordert, um dem kontinuierlichen Absinken der Meisterprüfungen zu begegnen. Das Meister-BAföG müsse, so der Bundesvorstand, “zu einer vollwertigen Gleichstellung” gegenüber der akademischen Ausbildung ausgebaut werden. 

Politik gestalten statt nur fordern

KOLPING belässt es nicht bei Forderungen auf dem Papier. In einem engen Netzwerk aus Akteuren des Handwerkswesens bringt sich das Kolpingwerk aktiv in die politischen Prozesse ein – im Austausch mit Bundestagsabgeordneten, in enger Abstimmung mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie im Schulterschluss mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) oder auch durch die Mitarbeit in dessen Arbeitskreis “Kirche und Handwerk”. Dabei zeigt sich, dass KOLPING als Vertretung der Arbeitnehmerseite in vielen Punkten gemeinsame Positionen mit den Gewerkschaften vertritt, weil es um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen geht und damit auch um ein attraktives und zukunftsfähiges Handwerk. Zugleich bietet das die Chance, das “unterscheidend Christliche” deutlich zu machen und auch glaubensferne Menschen zu zeigen, dass Kolpinger*innen als Christ*innen auftreten, hohe Kompetenz mitbringen, in den Sachthemen überzeugen und so etwas anstoßen können.

Diese Gespräche finden nicht nur in hinter verschlossenen Türen statt, sondern oft mitten im Leben – wie am “Orange Table” beim Jubiläumsfest Anfang Mai 2025: Mitten im Getümmel diskutierte die KOLPING-Fachgruppe Handwerk mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf und Präsident von Handwerk.NRW Andreas Ehlert sowie dem Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln und Vizepräsident des Westdeutschen Handwerkskammertages Alexander Hengst über die Zukunft des Handwerks – unter anderem auch über die akademische und berufliche Gleichstellung. Bei solchen Treffen zeigt sich: Fachpolitik ist nicht so schnell wie die Tagespolitik, weil es viele gesellschaftliche Interessensgruppen zu beteiligen gilt. Aber das geschieht dann mit großer Nachhaltigkeit. Und KOLPING ist mit der aufgebotenen Fachexpertise eine Stimme im Handwerk, auf die gehört wird. 

Dazu dient beispielsweise auch die enge Zusammenarbeit, die die Fachgruppe Handwerk mit den Arbeitnehmer-Vizepräsidenten im Deutschen Handwerkskammertag (DHKT) pflegt. Vor der halbjährlich im Bundesgebiet stattfindenden Tagungen kommt sie mit den lokalen Diözesanverbänden ins Gespräch, um die aktuellen Herausforderungen in den Handwerkskammern zu diskutieren. Außerdem führt die Fachgruppe im Kreise der Kolping-Vizepräsidenten seit ein paar Jahren Gespräche mit den handwerkspolitischen Sprecher*innen aller Parteien im Bundestag (außer der AfD), bei denen konkrete Anliegen an die Politik formuliert und erläutert werden. Dies reicht von sehr spezifischen Themen, wie der Notwendigkeit, dass Fahrzeuge von Handwerksbetrieben einen Parkausweis für die Innenstädte benötigen bis zu allgemeineren Themen, etwa wie man die Ausbildungssituation verbessern kann, insbesondere für diejenigen, für die der Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht immer ganz so glatt verläuft. 

Handwerk braucht Herz, Hand und Haltung

Von der Expertise, die die Fachgruppe Handwerk durch diese Kontakte mittlerweile gewonnen hat, profitieren viele Kolpinger*innen, die in der Vollversammlung ihrer Handwerkskammer, im Berufsbildungsausschuss und in den Prüfungsausschüssen das Handwerk mitgestalten. Dieses Engagement, durch das KOLPING den Alltag vieler Menschen aktiv mitgestaltet, wird oft zu wenig wahrgenommen. Ob es um das Meister-BAföG geht oder viele andere relevante Themen: KOLPING bringt sich ein – engagiert, vernetzt, mit klarer Haltung.

Weitere Informationen zum Engagement von KOLPING im Handwerk halt die Broschüre KOLPING im Handwerk bereit. Download
 
Als ausgedrucktes Exemplar kann die Broschüre angefordert werden bei Dr. Torben Schön: torben.schoen@kolping.de

Kommentar verfassen

Jeder Kommentar wird von der Redaktion überprüft, bevor er im Onlinemagazin erscheint. An dieser Stellen wollen wir auch auf unsere Netiquette und Informationen zum Datenschutz hinweisen.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!
Feedback-Grafik

Feedback?

Du willst uns Feedback geben oder hast Anregungen?
Schreib uns gerne:

magazin@kolping.de