Bundespräses
Am Aschermittwoch habe ich einmal in einem Schulgottesdienst ganz bewusst in die Runde gefragt: “Warum zeichnen wir an diesem Tag das Kreuz mit Asche auf die Stirn und nicht mit buntem Konfetti? Wäre das nicht eigentlich viel schöner?” Die Kinder haben gelacht. Dann meldete sich eine Viertklässlerin und sagte mit erstaunlicher Logik: “Asche haftet einfach besser als Konfetti.”
Alle mussten wieder lachen, ich auch. Doch der Satz hat sich bei mir festgesetzt. Denn irgendwie stimmt er. Und irgendwie steckt darin mehr Wahrheit, als man im ersten Moment denkt. Konfetti ist bunt, leicht und fröhlich. Es fliegt durch die Luft, bringt Menschen zum Lachen und
feiert das Leben. Aber es bleibt nicht. Es verweht im Wind, klebt kurz an der Jacke und wird später vom Gehweg gefegt.
Asche ist anders. Sie bleibt. Sie färbt ab. Sie haftet auf der Haut und manchmal auch im Herzen. Sie erinnert daran, dass unser Leben hier auf der Erde vergänglich ist. Und gerade deshalb ist es kostbar. Sie erinnert auch daran, dass ich nicht alles allein im Griff habe. Dass ich mein Leben nicht nur selbst machen kann, sondern dass ich es aus Gottes Hand empfange.
Asche haftet. Vielleicht ist das der tiefere Sinn der Fastenzeit. Sie will zur Umkehr einladen. Sie ruft dazu auf, neu hinzusehen: auf mein Leben,
auf mein Handeln, auf die Welt um mich herum. Im Buch Jesaja steht, was Gott sich von einem echten Fasten wünscht: dass wir helfen, wo andere belastet sind. Dass wir teilen, wo Menschen hungern. Und dass wir für Gerechtigkeit eintreten und einander mit Güte begegnen (vgl. Jes 58).
Fasten ist die Einladung, mich neu auszurichten: auf Gott, auf das, was zählt, und auf die Menschen, die meine Nähe brauchen. Vielleicht ist auch das eine Form von Fröhlichkeit, die tiefer trägt als der Moment. Sie ist nicht bunt wie Konfetti, aber ernsthaft froh, weil sie aus Liebe handelt.
Adolph Kolping hat es einmal so zusammengefasst: “Tue Gutes, wo du kannst, ohne Ansehen der Person. Und wer der Hilfe bedarf, wo du sie leisten kannst, der ist dein Nächster.”
Die Asche auf der Stirn verändert die Welt nicht von allein. Aber sie erinnert daran, dass Veränderung bei uns beginnt. Sie erinnert auch daran, dass Gott uns auf diesem Weg begleitet. Fastenzeit bedeutet, sich neu auszurichten und dann zu handeln. Mit kleinen Schritten, mit offenem Blick und einem Herzen, das sich von Gott und von der Not anderer berühren lässt. Vielleicht schenken uns die kommenden Tage beides: eine fröhliche, unbeschwerte Karnevalszeit mit echtem Lachen, Gemeinschaft und Leichtigkeit.
Und dann einen guten Einstieg in die Fastenzeit. Möge sie eine Zeit werden, in der Gott uns innerlich bewegt und wir Schritt für Schritt die Welt ein kleines Stück heller machen.
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